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Gedankenfetzen

Intellektuell bedeutet belesen sein, gelesenes zu wiederholen und im Zusammenhang wiederzugeben. Denken, speziell freies Denken, ist keine Voraussetzung.

Hinter „Freies Denken“ vermuten wir etwas Grenzenlosen. In der Beschränktheit des Erfassbarem wird ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, die Suche nach Sicherheit ist der Suche nach Freiheit entgegen gesetzt. Der Mensch als intellektuelles Wesen bewegt sich ständig zwischen den Polen der Sicherheit und Freiheit innerhalb der Grenzen des Mittelmaßes hin und her. Diese Suche zwischen einer sicheren, begrifflich erfassbaren Wahrheit und dem Nichtbegreifen ähnelt der Suche nach dem Sinn des Lebens. Dabei unterscheidet sich unsere Wahrnehmung je nach sozialem und kulturellen Hintergrund. Die westliche monotheistische Betrachtung ist in einer Suche nach dem EINZIG WAHREM in einer multidimensionalen Wirklichkeit verloren, in scheinbaren Wiederspruch verstrickt, während einige östliche Mythologien gar keine Wahrheit zulassen. Alles ist Maja bedeutet, dass unsere gesamte Betrachtungsweise der Wirklichkeit von Illusionen verseucht wird, eine wahre Wirklichkeit durch Überwindung unserer „falschen Wahrnehmung“ erst möglich wird.

Da die Vermittlung einer Wirklichkeit durch Kommunikation erfolgt, gleicht sich die Betrachtungsweise einer bestehenden Wahrheit durch die globale Kommunikation an. Sie wird aber auch vielfältiger und damit von unserem Geist schwerer Erfassbar, verwirrend und verängstigend. Da, wo immer weiter die Grenzen des Fassbaren wegfallen, breitet sich die Angst der Beschränktheit aus. Angst ist die Ursache für die Suche nach Schutz und die Errichtung von Schranken. Jeder Mensch, der mit seinen Gedanken diese Schranken einreißt erzeugt auch Feindbilder. Kein Denker ohne Anfeindung und kein Raum für Kommunikation ohne Angst.

Eine globale Vernetzung ohne Angst und Feindbilder ist eine Illusion und entspricht nicht der menschlichen Natur oder seinem beschränkten Geist. Nur die Natur selber zeigt uns stets aufs Neue das unsere Gedanken noch lange nicht die Grenzenlosigkeit des Raumes erfasst haben, geschweige von allem außerhalb des Raumes.

Dietmar Öhlmann, Künstler, Fotograf und Mediengestalter, Studium in Braunschweig, Chester, Liverpool und London, Master of Arts am Royal College of Art in London. An alle Künstler, macht weiter. Keine Kunst als Opfer der Angst, aber auch nicht in den Händen des Rattenfängers.

last changes 2015